The long way back

1066Weiter Richtung Süden unterwegs.
Schnell noch bei den Kollegen im Café 1066 kurz hinter Robertsbridge vorbei geschaut, dann kommen auch schon die Kanal-Küste und die Fähre in Sicht.
Im Hinterkopf weiter die Nachwehen der Wahl. Es herrscht ein unglaubliches Durcheinander und fast jeder glaubt, dass die Konservativen bald über Theresa May herfallen werden. Und dann würde im Herbst wieder neu gewählt. Wie zwischendurch noch die Brexit-Verhandlungen durchgezogen werden sollen, weiß kein Mensch.
Wie gesagt: Alles wilde Spekulationen und Verschwörungstheorien. Aber nichts ist zu abenteuerlich, dass es nicht ernsthaft und ausführlich in BBC 5 Radio diskutiert wird.
Aus einem Kommentar der New York Times: “Populism was to blame for Brexit, right? Wrong. It was all the elite’s fault,”
Wenn man in den TV-Nachrichtensendungen sieht, mit welcher unfassbaren Arroganz einige Torie-MPs nach dieser krachenden Niederlage auftreten, kann man dieses New Yorker Fazit nur unterschreiben. Es wird immer noch behauptet, das das UK in den kommenden Verhandlungen in einer starken Position sei, und den Europäern die Bedingungen des Brexit quasi diktieren könne. It’s a very special isolation, sometimes, somewhere.
Britain bleibt jedenfalls spannend und unterhaltsam.

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Brexit-Tour second day: Here I am!

Vor-den-Dover-KlippenWenn etwas klappt, sieht es am Ende immer ganz einfach aus. Der Plan war ja auch simpel: locker nach Calais fahren, den Ferry-Boat-Schildern folgen, rauf aufs Schiff und in Dover wieder runter.
Und was war: Ich fuhr im schönsten Sonnenschein von Holland durch Belgien nach Calais, ich folgte den Schildern, kam schnell durch die Passkontrolle, Ticket gekauft (Mann mit Motorrad = 55 Euro), und die Sefahrt genießen. Genial.
Bei der Zufahrt zum Fährhafen von Calais Beklemmungen: Kilometerweit hohe Zäune an den Straßen, zum Teil in doppelter Reihe, oben zusätzlich Nato-Draht. Alle Zugänge sind streng bewacht. Das sind die Folgen der Flüchtlings-Massen, die nach England wollen. Hier kommt keiner mehr unbemerkt durch.
In Dover ist alles anders. Natürlich zunächst der Linksverkehr, aber auf den zweiten Blick: die Häuser, die Landschaft, das Klima. Es scheint wärmer zu sein, hügeliger, grüner. Und, sicher, ich bin erst mal angekommen. Die erste große Etappe der Tour ist geschafft. Jetzt geht die eigentliche Reise los. Fühlt sich gut an.
Und dann bietet Dover ganz aktuell ein sehr passendes Highlight. Auf einer Hauswand an einer Einfallsstraße hat am verangenen Wochende Banksy über Nacht ein Riesen-Bild hinterlassen. Es zeigt die Europäische Flagge und einen Mann auf einer Leiter, der einen der gelben Sterne kaputt hämmert. Banksy, das ist der hochberühmte, aber immer noch halb-anonyme britische Staßenkünstler, dessen Wandbilder seit Jahren Furore machen und inzwischen extrem hoch gehandelt werden. Der Wert des leerstehenden, sehr baufälligen Hauses, auf das er sein Werk gemalt hat, dürfte sich auf jeden Fall verfielfacht haben.
Als ich vorbeikomme, stehen rund 20 Personen vor dem Haus und begutachten das Künstler-Statement zum Brexit. Die Bewunderung ist einhellig, und Dover hat eine neue Attraktion an einem der schäbigsten Winkel der Stadt.
Banksy-painting